imageAuf dem Blog www.letstalkaboutarts.com lässt sich in diesen Tagen eine spannende Auseinandersetzung über den Wert, die Grenzen und die Möglichkeiten von Kunstvermittlung verfolgen. Angestoßen wurde sie durch einen Artikel von Wolfgang Ullrich in der ZEIT vom 13. März  mit dem etwas reißerischen Titel (den der Autor wohl nicht selbst zu verantworten hatte) „Stoppt die Banalisierung!“ Forsch bließ ihm daraufhin die Antwort von Katharina Förster auf www.letstalkaboutarts.com entgegen.

Wie bei jeder guten Diskussion, finden sich für den interessierten Leser zahlreiche wertvolle Gedanken und eine wunderbar nachvollziehbare Argumentation, die Anlass zu einer eigenen Reflexion und Stellungnahme geben, bei beiden Gesprächspartnern. Mit Dank für diese Anregung an Frau Förster und Herrn Ullrich möchte ich mich mit einem mir wesentlichen Aspekt beteiligen.

Es scheint mir, dass wir uns mit dem Begriff „Kunstvermittlung“  schon auf ein Irrlicht einlassen, bevor wir zum eigentlich Problem dieser Auseinandersetzung vorstoßen. Zumindest wenn wir uns dem Ideal einer mündigen Gesellschaft verpflichtet fühlen.

Nun, sicher wird niemand behaupten, nicht schon einmal vor einem Kunstwerk gestanden zu haben und einfach keinen Zugang zu ihm gefunden zu haben. Der Wege zur Kunst gibt es gar viele, nur verirren können wir uns dennoch und ein Wegweiser wird da dankbar angenommen. Aber, ob wir von diesem Wegweisen als mündige Wesen, die einen Anspruch auf eigene Erkenntnisbildung haben, anerkannt werden, oder ob er meint uns gleich huckepack zum „Ziel“ tragen zu wollen, weil er uns den Weg nicht zutraut, ist doch entscheidend.

Doch was meinen wir eigentlich, wenn wir Kunst vermitteln wollen? Der gewöhnliche, und zugegeben traurige Alltag ist doch, dass mir jemand etwas über ein Werk oder einen Künstler erzählt. Das entspricht so in etwa der Haltung eines Rom-Reiseführers, der mir die sicher kluge, geballte Essenz seiner Erfahrungen und Erkenntnisse über die Ewige Stadt präsentiert, um mir den mühsamen Weg über die Alpen zu ersparen. Rom (oder die Kunst) wurde hier sicher nicht vermittelt, denn das ist, es sei mir verziehen, großer Quatsch! Rom will und kann nicht vermittelt werden, sondern will erlebt und verstanden werden. Doch dafür braucht es bestimmte Fähigkeiten – eine für Architektur sensibilisierte Wahrnehmung sei mal nur ein Beispiel, das ich in diesem Bild der Romerkundung nennen will.

Führt uns der Begriff Kunstvermittlung also vielleicht auf einen Holzweg – auch wenn er im heideggerschen Sinne ganz wunderbare Kollateralnutzen hervorbringt? Verführt er uns dazu, mit der Kunst etwas zu machen, was ihr überhaupt nicht gerecht wird – was gerade verhindert, dass wir nach Rom fahren, d.h.,  dass wir aus einer tatsächlichen ästhetischen Erfahrung eigene Erkenntnis und, warum nicht auch anschauliches Vergnügen entwicklen können?

Ist die Aufgabe der Institution, die wir „Kunstvermittlung“ nennen dann nicht eher, Wege zur Kunst nicht nur aufzuzeigen, sondern sie auch gemeinsam zu begehen, um mit jedem Schritt die Fähigkeiten zu schulen, die es uns ermöglichen, einen Zugang in dieses geheimnissvolle und inspirierende Reich der Kunst zu finden. Dann erübrigt sich auch die Frage, für wen (für welche Schichten, oder welche blöden Kategorien wir auch immer bemühen wollen) denn nun Kunst sei. Geben wir uns doch lieber Mühe, mit all jenen, die den Weg zur Kunst suchen, die Fähigkeiten zu enwickeln, die es ihnen ermöglichen, sie sich selbst zu erschließen. Vielleicht machen wir nebenbei, ganz heimlich durch unsere eigene Begeisterung auch ein wenig Mut und Lust, ihrer eigenen Wahrnehmung und Erkenntnis zu vertrauen. Das wird sicher für Studenten, Feierabendmanager, Hauptschüler, Gymnasiasten, Kinder und Feuilletonisten eine jeweils ganz andere Herangehensweise erfordern – aber sicher sind es dann nicht mehr „wir Elfenbeinturmbewohner“, die darübe diskutieren, für wen die Kunst nun ist, oder eben nicht. Denn das ist doch, geradeheraus gesagt, nur eines: Anmaßung.

Ich bin mir bewusst, dass sich an dieser Stelle eigentlich anschließen müsste, welche Fähigkeiten denn das nun bitte sein sollen und wie diese denn nun geschult werden sollen. Doch dies ist für den Gesichtspunkt, den ich in diese Debatte einbringen will nachrangig und wird vielleicht das nächste Kapitel dieser spannden Geschichte über die Kunst und ihre Menschen und die Menschen und ihre Kunst.

Nachtrag: Was bei aller theoretischer Auseinandersetzung nicht in Vergessenheit geraten sollte, ist doch das Wort derjenigen, an die sich welche Form der Kunstvermittlung auch immer richtet. Und so schließe ich diesen Beitrag mit einer von vielen ähnlichen Rückmeldungen zahlreicher Kunstbetrachtungen, die wohl für sich selbst sprechen kann:

Ich war gerade noch einmal im Museum. Ich habe viel Zeit vor dem Selbstportait von Rembrandt verbracht und habe dank Deiner Methode noch viel entdeckt! Mein Blick auf die Kunst hat sich wirklich geändert.

N. B.

Weiterverfolgen und Nachlesen lässt sich der Diskurs auf:

www.letstalkaboutarts.com
www.ankegroener.de/?p=21896
www.tanjapraske.de

Wege und Holzwege der Kunstvermittlung
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